Als mir die Kanzlerin an die Hose ging

hoseKollateralschäden einer Falschmeldung, die gar keine war.
 

Ich hatte Feierabend und wollte nur schnell heim. An der ersten roten Ampel kramte ich mein Handy hervor, klinkte mich kurz bei N24 ein und las: „Merkel gestürzt!“ Ich konnte kaum darauf reagieren, denn die Ampel wurde schon wieder grün, ich musste weiterfahren. Also warf ich das Ding auf den Beifahrersitz und machte mir so meine Gedanken.

Wer hat sie denn gestürzt? Gabriel und seine Sozialdemokraten?

Sind sie doch noch über ihren Schatten gesprungen und haben erkannt, dass ihre Entscheidung für eine Koalition mit der Merkel-Administration falsch war? Oder war es ein parteiinterner Putsch, das Ende aller Zickerei und ist nun von der Leyen neue Geschäftsführerin? Ich konnte mir beides nur schlecht vorstellen. Und dass das Militär nach ägyptischer Maßgabe „das Volk befreit“, glaubte ich schon gleich gar nicht. Und warum zum Teufel berichtet das Radio nichts darüber? Ich fummelte herum, landete bei Klassik und Country und blieb kurz bei einem Sender hängen, auf dem Dusty How I Can Be Sure trällerte. Unter anderen Vorzeichen wäre ich dort geblieben. Aber so? In Zeiten der Rebellion trachtete es mir nach Infos.

An der nächsten Ampel kein Empfang. An der übernächsten war es grün. Die darauf auch. Als es wieder mal rot wurde, war der Akku leer. Scheiße!

Nee, ich musste heim, wollte ich schnell mehr erfahren. Ich wurde ganz fickrig. Gab Gas. Wurde prompt auf der Heidelberger Straße stadtauswärts geblitzt und überfuhr fast zwei Fußgänger. Gut, dachte ich mir. Nach dem Sturz eines Herrschers gibt es oft Amnestien. Vielleicht erlassen sie mir ja mein Ticket. Man muss manchmal einfach realistisch bleiben. Besonders nach einem Umsturz. Jedenfalls rutschte ich auf dem Fahrersitz hin und her.

Ich parkte, riss die Autotüre auf, knallte sie gegen die Beifahrertüre meines Nachbarn, sprang über die Hecke, riss mir die Hose auf, lief zum Aufzug, der ewig nicht kam und rannte dann zuletzt doch die Treppe hoch. Wer mich gesehen hat, musste einfach annehmen, dass ich drauf und dran war, einen Schiss in die Kloschüssel hinüberzuretten. Ich schaltete einen Nachrichtenkanal ein, wartete auf die ersten Bilder vom Putsch, hörte aber nur was von einem Rutsch. Die Kanzlerin, so sagte so ein abgewichster Typ, ist gestürzt. Dass sie gestürzt wurde, bestätigte er nicht. Sie gehe jetzt immer dann an Krücken, wenn sie nicht im Bett liegt.

Leute, benutzt Verben! Nur sie beschreiben, was sich tut auf der Welt. Kanzlerin gestürzt! kann so vieles sein. Wurde oder ist – das ist doch die Frage.

Für so eine Marginalie habe ich Schaden in Kauf genommen, mir die Hose zerfetzt und eine Fotografie von mir beim Verkehr (ein so genanntes Aktfoto?) machen lassen. Kollateralschäden einer Falschmeldung, die keine war. Erst hat sie den Sozialstaat weiter deklassiert, dann Europa zu einer aus Brüssel gesteuerten deutschen Zone erniedrigt – und nun hat die Frau auch noch meine Hose ruiniert. Sie verursacht nur Schäden. Spätestens jetzt nehme ich das alles persönlich.

 

Quelle: http://ad-sinistram.blogspot.de