Arme Deutsche sterben fünf Jahre früher

brz3Arme sterben früher. Dabei ist der Unterschied zwischen den Einkommensklassen während der vergangenen Jahre in Deutschland noch größer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts. Unser Korrespondent Bernat Jozsa hat Eva Kibele, Mitverfasserin der Studie nach den Ergebnissen gefragt.

Alle haben es vermutet, jetzt ist es durch eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung wissenschaftlich belegt: Arme Leute sterben früher. Die Forscher des Instituts haben die Lebenserwartung von armen und reichen Deutschen verglichen. Etwa 15 Prozent der Studienpopulation ist in den beiden Gruppen mit höheren und niedrigeren Bezügen vertreten. Dies seien jeweils etwa 800.000 Personen. Die Unterschiede sind laut der Studie erheblich. Eva Kibele, Wissenschaftlerin an der Universität Groningen und Mitverfasserin der Studie erläutert die Ergebnisse:

„Wir haben Daten von der Rentenversicherung untersucht. Da haben wir herausgefunden, dass die Restlebenserwartung im Alter 65 bei Rentnern mit hohen Rentenbezügen etwa 20 Jahre beträgt, allerdings bei Rentnern mit niedrigeren Renten ist die Restlebenserwartung etwa 15 Jahre. Das heißt wir sehen einen starken Unterschied in der Lebenserwartung von Rentnern, und diese Unterschiede in der Lebenserwartung nach sozialen Klassen sehen wir in Ostdeutschland und auch in West-Deutschland.“

Die Lebenserwartung in Deutschland steigt seit Jahren. Profitieren können davon aber nicht alle gleichermaßen. Die Schere zwischen Arm und Reich ist in den vergangenen Jahren aber immer weiter auseinandergegangen. Diese Tendenz wurde auch in der Studie erfasst:

„Wir sehen ganz klar, dass Rentner mit höheren Bezügen einen stärkeren Anstieg in den Lebenserwartungen verzeichnen. Also Mitte der neunziger Jahre betrug diese Unterschied ungefähr 3 Jahre, mittlerweile sind es auch schon gut fünf Jahre geworden. Über die Gründe können wir noch relativ wenig sagen, aber wir können natürlich sehen, dass Rentner mit hohen Renten haben anscheinend mehr Möglichkeiten einen gesunden Lebensstil zu führen, der sich im Endeffekt auch in der Lebenserwartung niederschlägt.“

Die Kluft bei der Restlebenserwartung zwischen den alten und neuen Bundesländern ist in den letzten Jahren kleiner geworden. Dennoch gibt es einen immer größeren Unterschied zwischen reicheren und ärmeren Rentnern in Ostdeutschland:

„Die Lebenserwartung in den alten und neuen Bundesländern hat sich mittlerweile fast angeglichen. Wir sehen die sozialen Unterschiede in der Sterblichkeit in Ost- und in Westdeutschland. Allerdings sind die sozialen Unterschiede mittlerweile viel stärker in Ostdeutschland. Bei Rentner in Ost-Deutschland, die hohe Bezüge haben, ist die Lebenserwartung seit den neunziger Jahren viel stärker angestiegen. Als Beispiel dafür: der Unterschied in der Restlebenserwartung war Mitte der neunziger Jahre in Ost-Deutschland etwa 3,5 Jahre und zu Ende des Studienzeitraumes ist die Differenz auf 5,6 Jahre angestiegen.“
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Bernat Jozsa