Demokratiekongreß in Quedlinburg

Am 25.2.2012 fand in der Weltkulturerbestadt Quedlinburg ein kleiner Kongreß zum Thema Weiterentwicklung der Demokratie in der Aula des Kulturzentrums statt. Mehrere Organisationen hatten der Veranstaltung ihre Unterstützung zugesagt und ihre Vertreter bildeten das Podium, dazu gehörten Michael Kölsch von der Stiftung Friedliche Revolution, der 85-jährige Humanist und Demokratieaktivist Günter Rahm, Herausgeber der „Quedlinburger Denkanstöße“ und Initiator der Veranstaltung, Prof. Johannes Heinrichs (ehem. Humboldt-Universität Berlin), Autor des Buches „Revolution der Demokratie“, Thomas Loch vom Kulturcafé Quedlinburg, der als Moderator fungierte, Thomas Bauer und Hr. Kuhn von der pazifistischen Partei Bündnis Zukunft, ein Vertreter des zinskritischen Vereins „Neues Geld“ und Kay Hanisch als Sprecher der Bürgerbewegung Neue Richtung.

Die Vertreter im Podium stellten ihre Gruppierung und deren Schwerpunktarbeit vor. Bei der Neuen Richtung legte Kay Hanisch wert auf die praktischen Aspekte der politischen Arbeit, wie das Anstoßen von Bürgerinitiativen, z.B. für umweltfreundlichen Hochwasserschutz oder das Solidaritätsbündnis „Frieden für Libyen!“, dessen Aufklärungsarbeit über die Hintergründe des Libyenkrieges und die Verbrechen der NATO wider Erwarten besonders viel Interesse der anwesenden Bürgerinnen und Bürger erregte.

Prof. Heinrichs erklärte seine Theorie der Vergliederung der Demokratie in vier Kompetenzparlamente für die Bereiche Grundwerte, Politik & Verwaltung, Wirtschaft und Kultur.

Anschließend gab es eine Diskussion mit den anwesenden Bürgern, welche die vorgestellten Ideen unterstützten, aber feststellten, daß die Lebenswirklichkeit der einfachen Leute zahlreiche andere kleine Probleme hervorbringt, welche dafür sorgen, daß man gar keine Zeit mehr hat, sich mit den politischen Fragen ernsthaft auseinanderzusetzen. Die Menschen sind derart frustriert von Politik, so der Tenor einer anwesenden Quedlinburger Stadträtin, daß man neue Kommunikationsformen finden muß, um überhaupt noch über politische Zusammenhänge mit ihnen sprechen zu können.

Für die Neue Richtung war der Kongreß eine gute Gelegenheit, unsere Positionen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Gute alte Traditionen wie Infostände und Kuchenbasar fanden ebenfalls Eingang in die Veranstaltung.

Man kam letztlich überein, regionale Runde Tische von aktiven Bürgerinnen und Bürgern sowie von direktdemokratischen, humanistischen Gruppen, Regionalwährungs- und Kulturvereinen etc. – kurzum – die demokratische Opposition und der nicht korrumpierte Teil der Zivilgesellschaft – sollen zusammen mit den Menschen vor Ort aktiv sein. Dies war die beste Idee der Veranstaltung, in der auch eine gewisse Umsetzbarkeit liegt. Mit diesen Runden Tischen kann man Kräfte bündeln und Gegenmacht aufbauen – z.B. bei der Initiierung eines Bürgerbegehrens.