deutscher Salafist und “Kameramann des Grauens” von Justiz unbehelligt

2014_11_COMPACT_Cover_kleinWarum taucht Reda Seyam seit 20 Jahren an allen Schauplätzen der Massaker auf – und lebt ansonsten sorglos als Hartz-IV-Empfänger in Berlin?

Auszug aus der aktuellen Ausgabe von COMPACT-Magazin 11/2014 mit dem Titelthema “ISIS – die unheimliche US-Kreatur”. Hier finden Sie das komplette Inhaltsverzeichnis und den Bestellcoupon. Und hier ist mein Videointerview zu Salafismus.Isis.HogeSa.

Der Regisseur des Grauens

5. November 2014 – Elsässers-Blog (aus: COMPACT 11/2014) –

Ein Berliner Salafist taucht seit 20 Jahren an allen Brennpunkten des militanten Islam auf – im Bosnienkrieg, im Umkreis des 11. September, beim Disco-Anschlag auf Bali, bei den Massakern des IS. Aber irgendwer hat verhindert, dass er hinter Schloss und Riegel kam.

Seine deutsche Frau hat sich von ihm scheiden lassen und verbirgt sich aus Angst unter neuer Identität in einem Zeugenschutzprogramm – er aber hat vom Staat nichts zu befürchten und darf ganz offen für seine extremistischen Ansichten werben: Reda Seyam, neben Pierre Vogel und dem früheren Berliner Rapper Deso Dogg wohl der bekannteste deutsche Dschihadist. Wo immer getötet und gestorben wird, taucht der gebürtige Ägypter auf, und das seit 20 Jahren. Bisher wurde er wegen keinem Verbrechen verurteilt, obwohl er bei zahlreichen Massakern zur Stelle war, zumindest mit seiner Kamera.

Zuletzt tauchte er bei einer Terrorserie von ISIS und Al Qaida in Syrien auf – wieder nicht als Mörder, sondern als Fernsehmann. Mitte August 2013 ist er in einer Reportage von Al Jazeera zu sehen, wie er die Anmoderation eines Reporters aufnimmt. Gefilmt wurde in einem Dorf im Umkreis der Hafenstadt von Latakia, wo die Terroristen gerade Geiseln genommen hatten. Wer die Kopfab-Dschihadisten kennt, weiß: Niemals würden sie das Kamerateam eines ihnen gegenüber kritischen Senders in die Nähe lassen, egal ob eines westlichen, iranischen oder russischen. Al Jazeera dagegen

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Das Blutbad von Latakia Mitte August 2013 war das grausamste seit Beginn der Kämpfe im Frühjahr 2011. Bei Angriffen auf zehn alawitische Dörfer wurden, so Human Rights Watch (HRW), mindestens 190 Zivilisten ermordet.

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Der Kopfab-Filmer

Seyam hatte ursprünglich mit Fundamentalismus nichts im Sinn. Seine deutsche Frau, die heute unter dem Namen Doris Glück lebt, lernte ihn im Oktober 1987 kennen. Der große starke Mann hatte Charme und imponierte ihr durch seine virile Ausstrahlung. Erst Anfang 1992 radikalisierte er sich, verzichtete auf Alkohol und Schweinefleisch, ließ sich einen Bart wachsen. Ausschlaggebend dafür war, so Frau Glück, unter anderem ein Prediger namens Yehia Yousif  – ein Mann, der jahrelang auf der Gehaltsliste des baden-württembergischen Verfassungsschutzes stand (dazu unten mehr). Die beiden zogen dann gemeinsam nach Bosnien in die Islamistenhochburg Zenica und in das nahegelegene Bocinja, Frau Glück musste mitgehen.

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Reda Seyam war eine Schlüsselfigur für die Mudschahedin – nicht als Kämpfer, sondern als Kameramann und als Kurier. Er drehte Propagandavideos von den Schlächtereien der Gotteskrieger, die vor allem im arabischen Raum Sponsoren zu Spenden für den Dschihad motivieren sollten. Seine Ehefrau kann bestätigen, welche furchtbaren Dinge sich insbesondere während der Kämpfe 1995 abspielten, als die Muslime den serbischen Artilleriegürtel um Sarajevo sprengten. Sie war Augenzeugin einer mehrfachen Exekution im Herbst 1995 im Dorf Guca Gora in der Nähe von Tuzla. “Neben dem knienden Mann erkannte ich (…) den Führer der Muschahedin. (…) Auf eine schnelle Bewegung hin sackte der kniende Mann zusammen, etwas flog durch die Luft. Es war sein Kopf.” Besonders furchtbar für die Frau war,

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Frau Glück war Augenzeuge, wie sich ihr Haus zum Terroristen-Refugium entwickelte:

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Auf dem Weg zu 9/11

Der Dritte im Bunde von Seyam und Yousif war Ramzi Binalshib, berichtet Frau Glück. Binalshibh hat ab 1996 die Hamburger Zelle um den angeblichen 9/11-Selbstmordbomber Mohammed Atta mitaufgebaut

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Ein weiterer Verbindungsmann von Yousif und Seyam war Louai Sakra, ebenfalls ein wichtiger Vorbereiter von 9/11.

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Auch der wichtigste Drahtzieher des englischen Terroruntergrundes, (…)

Außerdem war auch Osamsa bin Laden selbst (…)

Von Djakarta nach Ulm

Seyam soll weiterhin in den Bombenanschlag am 12. Oktober 2002 in Bali verwickelt sein (202 Tote). Erwiesen ist das allerdings nicht. Zwei festgenommene Verdächtige behaupteten aber unabhängig voneinander: “Reda Seyam war unser Chef. Er hat den Anschlag im Auftrag der Al Qaida über zwei muslimische Stiftungen finanziert.” Auf den Laptops, Notebooks und Festplatten von Seyam fanden die indonesischen Ermittler

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Seyam ließ sich nach seiner Rückkehr aus Indonesien in Ulm nieder. Die Justiz ging nicht gegen ihn vor, obwohl seine Ex-Frau gegenüber der Polizei ausgepackt und von seiner filmischen Begleitung der Hinrichtungen in Bosnien (siehe oben) berichtet hatte. Der Spiegel schrieb nach Sichtung einiger dieser Snuff-Videos ganz richtig: “Sollte Seyam eine Tatbeteiligung nachgewiesen werden können, könnte er dafür in Deutschland belangt werden.”  Doch diese Sätze stammen aus dem Jahr 2004. Seither wurde Seyam nicht juristisch belangt!

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Was im Falle von Seyam nicht erwiesen ist, steht im Falle seines Mentors Yehia Yousif fest: Er hat für den Verfassungsschutz gearbeitet. Im Auftrag des Stuttgarter Landesamtes war er mindestens von 1996 bis 2002 tätig.

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Infobox

Propagandist auf Stütze

Reda Seyam lebt, wenn er nicht zu den Fronten des Dschihad reist, in Berlin und bezieht Hartz IV. Der 54-Jährige erregte Aufsehen, weil er einen Sohn auf den Namen Dschihad registrieren lassen wollte, was der Berliner Innensenator Ehrhart Körting 2008 kurzerhand verbot. Erlaubt wurde dagegen der Name Djehad. Im selben Zeitraum wurde er wegen unerlaubten Waffenbesitzes angezeigt, er besaß angeblich eine scharfe Pistole. Im Jahr 2012 unterstützte er mit seinen Videofilmen die kostenlose Verteilung des Koran in der Version der Salafisten.

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(Den Artikel vollständig lesen in der Printausgabe COMPACT 11/2014 – hier bestellen).