Erschreckend: Selbstverletzungen bei Jugendlichen nehmen zu

Ritzen-und-Schneiden-Selbstverletzungen-sind-HilfeschreieBei Jugendlichen treten Fälle von Selbstverletzungen besonders häufig auf. Von Marcel Rother

Ventil für die Seele – Betroffene verletzen sich oft selbst, weil sie darüber ihre Probleme für kurze Zeit vergessen können.

Foto: Jens Schierenbeck/dpa/gms

Sie fallen sofort ins Auge und begleiten die Betroffenen oft ein Leben lang. Die Rede ist von Spuren der Selbstverletzung. Die Wunden und Narben sind häufig ein äußeres Signal für innere Nöte, die es ernst zu nehmen gilt und die bei Bedarf professionelle Hilfe erfordern.

 

Maria (Name von der Redaktion geändert) war 17 Jahre alt, als sie sich zum ersten Mal in ihrem Zimmer verkroch und ein Messer so lange über ihren Arm gleiten ließ, bis die Haut nachgab und der Schmerz einsetzte. Sie erinnert sich noch genau an die Situation und an die Ausweglosigkeit, in der sie sich damals scheinbar befand: „Ich hatte mich wegen eines Typen mit meiner besten Freundin zerstritten und dachte, plötzlich bricht die ganze Welt zusammen und ich kann nichts dagegen tun.“ Verzweiflung, das Gefühl, nicht verstanden zu werden und die Angst vor dem Alleinsein ließen in der noch jungen, blassen Haut die ersten Narben entstehen.

Besonders gefährdet: Mädchen im Jugendalter

 „Abgesehen von manifesten Krankheitsbildern, wie dem Borderline-Syndrom oder dissoziativen Störungen, tritt das Symptom der Selbstverletzung besonders bei Mädchen im Jugendalter auf“, bestätigt Christa Röger-Emerich, Systemische Therapeutin bei der Evangelischen Beratungsstelle für Eltern-, Jugend-, Ehe- und Familienfragen der Diakonie Augsburg. „Ausgangspunkt ist oft ein Bündel an Herausforderungen, denen die jungen Menschen nicht gewachsen sind und für die sie keine adäquaten Bewältigungsstrategien parat haben.“ Dazu können Verletzungen familiärer Art, schmerzhafte Trennungen oder das Gefühl fehlender Geborgenheit zählen.

Selbstverletzungen werden meist durch seelische Bedrängnisse hervorgerufen

 Das Prinzip der Selbstverletzung setzt bei seelischen Bedrängnissen an. „Es versucht, der empfundenen Not mit dem Schmerz einen Reiz entgegenzusetzen, der stärker ist als die negativen Emotionen und der diese kurzzeitig überdeckt“, sagt Röger-Emerich. Zudem werden vom Körper im Moment der Verletzung Endorphine freigesetzt und bei den Betroffenen entsteht das Gefühl, der Situation nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sondern aktiv etwas dagegen tun zu können. Die eigentlichen Probleme bleiben davon unberührt.

weiter lesen unter:

http://www.augsburger-allgemeine.de/friedberg/Erschreckend-Selbstverletzungen-bei-Jugendlichen-nehmen-zu-id27233917.html