Handygate: Obama eint Europa

USAvon Wolfgang Blaschka

BERLIN / WASHINGTON. Die gute Nachricht zuerst: Laut Edward Snowdens abgekrallten Geheimdienst-Dokumenten wurden insgesamt 35 Staats- und Regierungschefs abgehört. Im Umkehrschluss: Von den 200 Staatsregierungen weltweit blieben 165 unbehelligt. Sie konnten also munter gegen den US-Imperialismus agieren, gegen Obama intrigieren und  sich über die NSA amüsieren. Werden die wenigsten wahrscheinlich gemacht haben, weil sie gar nicht betroffen waren.

Tief betroffen allerdings war die Kanzlerin, die Obama noch nie so richtig vertraut hat, eher noch dem notorischen Irakkriegs-Lügner George W. Bush. Obama lügt offenbar nicht berechenbar genug. Seine Sicherheitsberaterin Susan Rice säuselte: „Wir überwachen die deutsche Kanzlerin nicht und werden sie nicht überwachen“, womit nicht explizit ausgeschlossen sein sollte, dass sie überwacht wurde. Mindestens seit 2010 soll Obama vom Geheimdienstchef Keith Alexander informiert gewesen sein, weiß „Bild am Sonntag“. Man muss freilich nicht alles glauben, was die BILD-Zeitung schreibt. Es soll sogar bereits 2002 gewesen sein, als der Auftrag zur BRD-Kanzler-Observation erteilt wurde, damals gegen Bundeskanzler Schröder, und zwar von Merkels glaubhafterem Bush, als sie selbst noch in der Opposition saß. Schreibt der SPIEGEL. Anyway: „Chancellor“ ist im Englischen nicht genderbar. Der Auftrag lief.
 
Selbst ihr schickes Regierungshandy haben sie geknackt. Nun ist Beschwichtigung gefragt. „Es gibt keine stärkere Beziehung als die zwischen den USA und Deutschland“, sülzt Philip D. Murphy, der bis 2003 US-Botschafter in Berlin war (da sollten die Briten mal kurz weghören bei dieser Flunkerei). „Die Vorwürfe sind gewichtig, aber dies ist eine der gewichtigsten Allianzen in der Welt.“ Seelenbalsam für Angie, jedoch der Mann ist längst im Ruhestand. Es wird weitergelogen, wie es eben üblich ist.
  Zu denen, die von der Vertrauenskrise in Europa profitieren, gehören die Brieftaubenzüchter aus Belgien. Dort ist es ein alter Sport, seine Nachrichten von Haus zu Haus fliegen zu lassen, ohne Umwege über Briefkästen oder Server. Die Tradition hat sich inzwischen zum großen Geschäft ausgewachsen: Für die Taube „Bolt“ wurden im Mai bei einer Auktion 310.000 Euro erlöst. Allerdings schaffen die antiquierten Postillone ihren Job mit sämtlichen Anhängen oft nur noch gedopt mit Kokain oder Schmerzmitteln. Das ergab ein Test bei 20 Tieren. Für die Bundesregierung käme das aus Tierschutzgründen kaum infrage.
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Ein Gedanke zu „Handygate: Obama eint Europa

  1. Wie wäre es denn mit den Millionen faulen Arbeitslosen anstelle der Tauben? Und wenn die sich dopen, um das zu überstehen, schreit auch keine deutsche Regierung auf, der Menschenschutz ist ja im Vergleich zum Tierschutz längst abgeschafft.
    Das wäre doch mal ein richtig Erfolg versprechendes Geschäftsmodell. Sogar gesundheitsfördernd, da die Boten doch viel an der frischen Luft wären. Gleichzeitig würden diese schnellen Zeiten entschleunigt. Besonders wenn die Boten mangels fehlender, erforderlicher Investitionsmittel die Wege zu Fuß zurücklegen müssten. Und wenn man ihnen genügend droht, verraten sie vielleicht auch die Inhalte der Botschaften nicht, die sie überbringen.
    Im Bereich Drohungen sind ja auch die meisten Mitarbeiter, besonders die der Argentur für Arbeit ( … was für ein Name? ) schon ausreichend geschult.
    Natürlich … man kann nie zu 100 % sicher sein. Möglicherweise versucht ein „partnerschaftlicher Geheimdienst“ einen Boten damit zu ködern ihm eine Zukunft zu sichern, in der er von seiner Arbeit Früchte unbehelligt leben kann.
    Also, es gibt viel zu tun.
    Was lange gährt wird endlich Wut.

    Und wenn das Kind doch eh schon in den Brunnen gefallen ist, dann wüste ich doch zu gerne, was Angie denn so alles sagte in ihren Telefonaten. Das wäre doch der eigentlich interessante Aspekt an der ganzen Sache.
    Das es zwei vollkommen unterschiedliche Angelegenheiten sind, ob „alle Bundesbürger“ oder ob sie persölich abgehört wurde oder wird, haben wir ja schon erfahren.
    Also liebe NSA, gebt euch einen Ruck und verratet uns den Rest auch noch.

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