Messermann Neptunbrunnen: Warum lief Manuel F. Amok?

Messermann
Neptunbrunnen: Warum lief Manuel F. Amok?
30. Juni 2013 08:17 Uhr, B.Z. | Aktualisiert 13:19 B.Z. auf Spurensuche im Leben des Manuel F., lief er Amok, weil er seine Medikamente nicht nahm?

Manuel F. starb durch den Schusss aus einer Polizeipistole. Eine Spurensuche in seinem Leben
Der Flur eines Mietshauses an der Nüßlerstraße in Weißensee. An der Klinke zur Wohnung 610B sind noch Pulverrückstände der Kriminaltechniker zu erkennen. Am Donnerstagabend hatten vor dieser Tür die letzten Stunden im Leben von Manuel F. (31) begonnen. Dem Diplom-Kaufmann, der nackt und mit einem Messer in der Hand am Freitagmorgen im Neptunbrunnen von einem Polizisten erschossen wurde. opfer-wohnung_43158821
B.Z. ging auf Spurensuche, fand heraus, dass Manuel F. bis zum Schicksalstag ein braves und geordnetes Leben führte, aus dem er vom Wahn gerissen wurde.
Manuel F. wurde am 1. Februar 1982 in Berlin geboren. Später zog er mit seiner Familie nach Bremen, ging dort zur Schule. Unter Klassenkameraden galt er als Sprachtalent, lernte Englisch und Spanisch. Nach Abschluss der 10. Klasse absolvierte er von September 1998 bis Juni 2001 im Bremer Ortsteil Walle sein Fachabitur. F.s Leistungskurse waren Wirtschaftslehre und Deutsch. Die allgemeine Hochschulreife erlangte er mit einem Notendurchschnitt von 2,9.
Nach dem Zivildienst studierte der mittlerweile 21-Jährige zunächst Mathematik. Nach einem Semester aber brach er ab und begann im Oktober 2004 an der Uni Bremen ein BWL-Studium.
In den folgenden Jahren wuchs offenbar sein Wunsch, nach Berlin zurückzukommen. Vom 13. Dezember 2010 bis zum 17. Juni 2011 absolvierte er ein Praktikum in einem Steuerbüro an der Friedrichstraße, befasste sich vor allem mit der Prüfung von Steuerbescheiden. Während dieser Zeit wohnte er bei seinem Vater in Zehlendorf. Nachbarn zufolge lebten die Eltern damals bereits getrennt. Manuel F. wünschte sich, Kontakt zu seiner spanischen Halbschwester in Malaga aufzubauen, und wollte Spanisch lernen.
Am 21. März 2012 erhielt er in Bremen sein Diplom als Kaufmann, danach zog er dauerhaft zurück in die Hauptstadt. Vom 2. Mai bis zum 15. Juni 2012 folgte ein weiteres Praktikum. Diesmal befasste er sich mit der Bearbeitung von Finanzbuchhaltung, bei seinem dritten Praktikum, vom 9. Juli bis zum 8. August 2012, mit der Erstellung von Jahresabschlüssen.
Am 11. Oktober 2012 unterschrieb der Diplom-Kaufmann seinen ersten festen Arbeitsvertrag. Er wurde unbefristet in einem Steuerbüro in Friedrichshain angestellt, verdiente seither 1124,93 Euro netto im Monat. Anfang Januar zog er in ein Einraum-Apartment (30 qm) an der Nüßlerstraße in Weißensee. „Er war einer der ruhigsten und sympathischsten Mieter im Haus“, sagt Peer Pette, Vermieter des Objekts.
Ein bis dahin weitgehend schnörkelloser Lebenslauf. Doch Manuel F. litt, wie jetzt aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, an Schizophrenie. Deswegen nahm er regelmäßig Medikamente. Hatte er diese am Donnerstag nicht genommen? Am Abend stand Manuel gegen 20 Uhr vor seiner Wohnungstür, tobte und trat immer wieder mit voller Wucht dagegen. Offenbar hatte der 31-Jährige seinen Schlüssel im Apartment vergessen. Immer wieder soll er gerufen haben: „Ich muss rein, mein Bruder ist im Krankenhaus.“
Durch den Lärm wurde ein Nachbar aufmerksam. „Ich hab versucht, ihn zu beruhigen“, sagt er zur B.Z.. „Er zeigte mir seinen Ausweis. Dann ging er plötzlich auf mich los und boxte mir in den Nacken.“ Der Angegriffene alarmierte um 20.26 Uhr die Polizei und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Manuel F. war in der Zwischenzeit bereits aus dem Haus gerannt – bekleidet mit Jeans, Karohemd und einer hellbraunen Jacke.
Erst am nächsten Morgen wurde er wieder gesehen. Offenbar war der Berliner in der Nacht durch die Stadt geirrt und schließlich am Alexanderplatz gelandet. Am Neptunbrunnen legte er seine Sachen ab und stieg mit einem Messer ins Wasser. Um 9.36 Uhr fiel der Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten. Es war das dramatische Ende eines so geordneten Lebens.
Es berichten: Alex Grömminger, Ole Krüger, Konstantin Marrach, Marc Paustian, Eric Richard, Alexander Schmalz, Uwe Steinschek, Maren Wittge
Quelle:
http://www.bz-berlin.de/tatorte/neptunbrunnen-warum-lief-manuel-f-amok-article1701427.html
30. Juni 2013 08:17 Uhr, B.Z. | Aktualisiert 13:19 B.Z. auf Spurensuche im Leben des Manuel F., lief er Amok, weil er seine Medikamente nicht nahm?

Manuel F. starb durch den Schusss aus einer Polizeipistole. Eine Spurensuche in seinem Leben
Der Flur eines Mietshauses an der Nüßlerstraße in Weißensee. An der Klinke zur Wohnung 610B sind noch Pulverrückstände der Kriminaltechniker zu erkennen. Am Donnerstagabend hatten vor dieser Tür die letzten Stunden im Leben von Manuel F. (31) begonnen. Dem Diplom-Kaufmann, der nackt und mit einem Messer in der Hand am Freitagmorgen im Neptunbrunnen von einem Polizisten erschossen wurde.
B.Z. ging auf Spurensuche, fand heraus, dass Manuel F. bis zum Schicksalstag ein braves und geordnetes Leben führte, aus dem er vom Wahn gerissen wurde.
Manuel F. wurde am 1. Februar 1982 in Berlin geboren. Später zog er mit seiner Familie nach Bremen, ging dort zur Schule. Unter Klassenkameraden galt er als Sprachtalent, lernte Englisch und Spanisch. Nach Abschluss der 10. Klasse absolvierte er von September 1998 bis Juni 2001 im Bremer Ortsteil Walle sein Fachabitur. F.s Leistungskurse waren Wirtschaftslehre und Deutsch. Die allgemeine Hochschulreife erlangte er mit einem Notendurchschnitt von 2,9.
Nach dem Zivildienst studierte der mittlerweile 21-Jährige zunächst Mathematik. Nach einem Semester aber brach er ab und begann im Oktober 2004 an der Uni Bremen ein BWL-Studium.
In den folgenden Jahren wuchs offenbar sein Wunsch, nach Berlin zurückzukommen. Vom 13. Dezember 2010 bis zum 17. Juni 2011 absolvierte er ein Praktikum in einem Steuerbüro an der Friedrichstraße, befasste sich vor allem mit der Prüfung von Steuerbescheiden. Während dieser Zeit wohnte er bei seinem Vater in Zehlendorf. Nachbarn zufolge lebten die Eltern damals bereits getrennt. Manuel F. wünschte sich, Kontakt zu seiner spanischen Halbschwester in Malaga aufzubauen, und wollte Spanisch lernen.
Am 21. März 2012 erhielt er in Bremen sein Diplom als Kaufmann, danach zog er dauerhaft zurück in die Hauptstadt. Vom 2. Mai bis zum 15. Juni 2012 folgte ein weiteres Praktikum. Diesmal befasste er sich mit der Bearbeitung von Finanzbuchhaltung, bei seinem dritten Praktikum, vom 9. Juli bis zum 8. August 2012, mit der Erstellung von Jahresabschlüssen.
Am 11. Oktober 2012 unterschrieb der Diplom-Kaufmann seinen ersten festen Arbeitsvertrag. Er wurde unbefristet in einem Steuerbüro in Friedrichshain angestellt, verdiente seither 1124,93 Euro netto im Monat. Anfang Januar zog er in ein Einraum-Apartment (30 qm) an der Nüßlerstraße in Weißensee. „Er war einer der ruhigsten und sympathischsten Mieter im Haus“, sagt Peer Pette, Vermieter des Objekts.
Ein bis dahin weitgehend schnörkelloser Lebenslauf. Doch Manuel F. litt, wie jetzt aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, an Schizophrenie. Deswegen nahm er regelmäßig Medikamente. Hatte er diese am Donnerstag nicht genommen? Am Abend stand Manuel gegen 20 Uhr vor seiner Wohnungstür, tobte und trat immer wieder mit voller Wucht dagegen. Offenbar hatte der 31-Jährige seinen Schlüssel im Apartment vergessen. Immer wieder soll er gerufen haben: „Ich muss rein, mein Bruder ist im Krankenhaus.“
Durch den Lärm wurde ein Nachbar aufmerksam. „Ich hab versucht, ihn zu beruhigen“, sagt er zur B.Z.. „Er zeigte mir seinen Ausweis. Dann ging er plötzlich auf mich los und boxte mir in den Nacken.“ Der Angegriffene alarmierte um 20.26 Uhr die Polizei und erstattete Anzeige wegen Körperverletzung. Manuel F. war in der Zwischenzeit bereits aus dem Haus gerannt – bekleidet mit Jeans, Karohemd und einer hellbraunen Jacke.
Erst am nächsten Morgen wurde er wieder gesehen. Offenbar war der Berliner in der Nacht durch die Stadt geirrt und schließlich am Alexanderplatz gelandet. Am Neptunbrunnen legte er seine Sachen ab und stieg mit einem Messer ins Wasser. Um 9.36 Uhr fiel der Schuss aus der Dienstwaffe des Polizisten. Es war das dramatische Ende eines so geordneten Lebens.
Es berichten: Alex Grömminger, Ole Krüger, Konstantin Marrach, Marc Paustian, Eric Richard, Alexander Schmalz, Uwe Steinschek, Maren Wittge
Quelle:
http://www.bz-berlin.de/tatorte/neptunbrunnen-warum-lief-manuel-f-amok-article1701427.html