Montagsdemos von Antifa demontiert?

elsässer2. Juli 2014 – Elsässers Blog – Jürgen Elsässer

Abstürzende Teilnehmerzahlen in Berlin. Nur die ursprüngliche Offenheit und Pluralität kann die Bewegung retten! Von Jürgen Elsässer

Aus Berlin werden schockierende Zahlen gemeldet: Bei der Friedens-Mahnwache am Montag waren nur noch 300 Leutchen (ein Augenzeuge will sogar nur 160 gezählt haben)! Das Vice-Magazin, ein linkes Lifestyle Blättchen, jubelt heute: Die Montagsdemos schaffen sich ab.  Haben unsere Feinde ihr Ziel erreicht?

Erinnert Ihr Euch noch an die Hochphase der Anfang März gestarteten Mahnwachen, als am Ostermontag über 5.000 zum Potsdamer Platz kamen? Damals sprachen unter anderem Andreas Popp und meine Wenigkeit, Thema waren das Geld- und Zins-System (bei Andreas) und der NATO-Faschismus in der Ukraine, von dem Antifanten wie Jutta Ditfurth nichts wissen wollen (in meiner Rede).

Seither gingen die Teilnehmerzahlen bergab. Der Grund liegt nicht darin, dass die Berliner Montagsdemo in der Folge auch linke Redner gefunden hat – was ich selbst von Anfang an begrüßt habe! –, sondern dass diese linken Spätankömmlinge sofort begannen, andere Strömungen wegzubeißen. Als ihren Hauptgegner haben sie mich auserkoren und sogar – vergeblich – versucht, den Montagsdemos in anderen Städten auszureden, mich als Redner zu laden.  In Berlin gab es fortan nicht nur keinen Elsässer mehr, sondern auch bestimmte Themen wurden gemieden: Die Kritik an der US-Notenbank Federal Reserve, eines der ursprünglich zentralen Punkte, fiel weg; Begriffe wie Zionismus und NATO-Faschismus wurden eliminiert; die fehlende Souveränität Deutschlands war kein Thema mehr. Kurz und gut: Das inhaltliche Spektrum wurde nicht um links erweitert, sondern auf links und links-kompatibel verengt. Klar, dass so ein Konzept immer weniger Leute interessiert…  Die Enttäuschung vieler Teilnehmer zeigt sich in dem verlinkten Video oben (den Mann kenne ich übrigens NICHT…).

Am letzten Wochenende gab es ein bundesweites Orga-Treffen der Montags-Mahnwachen, das den Zusammenschluss mit der “alten” Friedensbewegung begrüßte – also mit den Leuten, die die Montagsmahnwachen bisher schroff angegriffen hatten. Das ist nicht prinzipiell verwerflich, denn Leute können sich entwickeln. Aber schauen wir uns die inhaltliche Grundlage dieses Kooperationsangebotes an:

“Wir stehen für globalen Frieden für alle Menschen in allen Bereichen und mit der Natur. Deshalb sind wir ausdrücklich gegen Hass, Gewalt, Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Antisemitismus, und jede Form von Faschismus.”

Die zwei Sätze sind für sich genommen richtig. Aber interessant ist, was in der Aufzählung fehlt: Warum sind wir nur gegen Fremdenfeindlichkeit – und nicht auch gegen Inländerfeindlichkeit? Warum sind wir nur gegen Homophobie – aber nicht gegen Familienfeindlichkeit? Warum sind wir nur gegen Antisemitsimus – und nicht auch gegen Zionismus? Niemand ist für Fremdenfeindlichkeit, für Homophobie oder für Antisemitismus. Aber indem nur diese Probleme genannt und die mindestens so schwerwiegenden anderen Probleme Inländerfeindlichkeit, Familienfeindlichkeit und Zionismus weggelassen werden – genau dadurch entsteht die linke Schlagseite. Mit solchen Aufrufen werden vielleicht ein paar Linke zusätzlich zu den Demos gezogen – aber viel mehr, denen diese Schlagseite nicht passt, werden in die Flucht geschlagen. Der Saldo ist negativ.

Im Grunde läuft der selbe Zerstörungsprozess wie bei Occupy und bei den Piraten: Auch diese Bewegungen hatten anfänglich viel Charme, weil sie das alte Links-Rechts-Schema hinter sich ließen. Es waren wilde Mischungen, es war was Neues. Dann infiltrierten linke Kader diese Ansätze, und alles Dissidente wurde als “rechts” gebasht und rausgemobbt. So wurden Occupy und die Piraten von links gekapert und kaputtgemacht. Viele ehrliche Aktivisten wurden ihrer Träume beraubt. Soll das auch bei den Montagsdemos so enden?

Noch können wir das verhindern. Ganz einfach: Indem wir zu den Ursprüngen der Montagsdemos zurückkehren!

1. Wir sind nicht links, wir sind nicht rechts, wir sind vorn! Wir grenzen uns gegen Extremismus und Gewalt ab, egal ob von links, rechts oder religiös, aber ansonsten sind alle willkommen, auch vernünftige Linke, auch vernünftige Rechte.

2. Unsere wichtigste Themen sind der Friede und das Geldsystem.

Vor Angriffen der Monopolmedien sollten wir keinesfalls zurückweichen. Im Gegenteil: Die Zeiten der wütendsten Angriffe durch Ditfurth auf 3sat waren die besten Zeiten der Mahnwachen, mit den höchsten Teilnehmerzahlen! Für viele Menschen war nämlich die Tatsache, dass wir so idiotisch und rabiat attackiert werden, Beweis unserer Ernsthaftigkeit und Gefährlichkeit für das System…

Nun soll es am 19.7. die erste bundesweite Demonstration aller Mahnwachen in Berlin geben. Gute Idee! Aber nur, wenn dieser wichtige Tag nicht wieder von den linken Gebetsrednern dominiert, sondern der plurale Charakter der Aktion deutlich wird. WIR SIND DAS VOLK – das ist die Orientierung.