Plastik in namhaften Bieren und Wassern – Forscher alarmiert

Plastikverunreinigungen im Bier FOCUS Online Wochit4. Juni 2014 – FOCUS Online/Wochit Namhafte Brauereien betroffen: In diesen Biermarken schwimmt Plastik

Was dem Franzosen sein Wein, ist dem Deutschen sein Bier. Doch nach NDR-Recherchen ist des Deutschen liebstes Getränk teilweise massiv verunreinigt. So wollen Forscher in Pils- und Weißbiersorten Plastikpartikel festgestellt haben. Auch sehr beliebte und namhafte Brauereien sind betroffen.

Mineralwässer und Biere sind nach Angaben des Norddeutschen Rundfunks (NDR) teilweise mit mikroskopisch kleinen Fasern aus Plastik verunreinigt. Nach Recherchen des NDR-Wirtschafts- und Verbrauchermagazins „Markt“  besteht der Verdacht, dass diese Fasern von Textilien aus sogenanntem Fleece-Material stammen können. Die Plastikfasern können  beim Waschen über das Abwasser in die Umwelt gelangen. Dort verteilen sie sich und können vermutlich im Zusammenhang mit der Produktion in die Getränke gelangen. Bei den analysierten Mineralwässern und Bieren handelt es sich um die in Deutschland meistverkauften Marken. Alle enthielten Mikroplastik.

Die Zahlen sind alarmierend: In den Pilssorten von Veltins und Krombacher fanden die Forscher jeweils 42 Mikropartikel pro Liter, im Warsteiner sogar 47. Im Weißbier der Münchner Paulaner Brauerei fanden sich demnach 70 Plastikpartikel pro Maß. Spitzenreiter ist dem NDR-Bericht zufolge jedoch die friesische Brauerei Jever: Hier fanden die Forscher im Pils 79 Mikropartikel pro Liter. Auch in verschiedenen Mineralwässern der Discounter Aldi, Lidl und Penny wurden Plastikfasern entdeckt. Im Vergleich zu den betroffenen Biersorten jedoch in erheblich geringeren Mengen.

Versuche haben gezeigt: Für Menschen besteht Gefahr

Die Untersuchung im Auftrag der „Markt“-Redaktion wurde durchgeführt von Gerd Liebezeit, emeritierter Professor am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg. „Wir haben das synthetische Material weiträumig  festgestellt, nicht nur in Lebensmitteln, sondern auch in der Luft“, verweist Liebezeit darauf, dass Verunreinigungen mit Mikroplastik ein generelles  Umweltproblem sind.

„Mikroplastik stellt auch für uns Menschen früher oder später eine Gefahr dar“, warnt aber auch Stephan Pflugmacher Lima, Ökotoxikologe vom  Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin. Seine  Experimente mit Muscheln haben gezeigt, dass solche  Mikroplastik-Fasern sich im Gewebe anreichern. In hohen  Konzentrationen könne dies sogar zum Tod der Tiere führen.

Brauer-Bund: Keine Verunreinigung im Brauwasser

Sowohl das Bundesumweltministerium als auch das Bundesministerium für Ernährung erklärten auf „Markt“-Anfrage, für die Problematik  nicht zuständig zu sein – und verwiesen jeweils auf das andere  Ressort.

Der Deutsche Brauer-Bund verweist auf eigene Untersuchungen, die nachweisen würden, dass sich kein Mikroplastik im Bier und in dem zum Brauen verwendeten Wasser finden lasse. Die Mineralwasser-Hersteller  äußerten sich ähnlich. Ihre genauen Untersuchungsmethoden legten sie gegenüber dem NDR nicht offen.