Sanktionshungern

zum Artikel über Ralph Boes:

http://deutschlandimwuergegriff.wordpress.com/2012/11/06/skandal/

Ralph Boes Hungertagebuch

 

Tag 26:

Letzter Tag des ersten Sanktionshungerns
und Mitteilung einer schwierigen Schicksalsfügung

Brief an alle Freunde und Unterstützer >>

http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/brandbrief/briefe/2012-11-26-Tag-26-letzter-Tag-des-ersten-Sanktionshungerns.htm

Sanktionshungern, Tag 25:

Gestern zwei kleine Filme gedreht – und eine Diskussionsrunde alla Maischberger geübt (Hammer, schneide ich da schlecht ab …)
Mails abgearbeitet, Fragen geklärt, viele Telefonate …
Dann natürlich auch viel Denken und Schreiben …
Unübersehbar „arbeitslos“!
Gewicht heute: 78,2 Kg

Sanktionshungern, Tag 24:

Liebe Freude –
nachdem das Jobcenter unter dem aus meinem Hungern entstandenen öffentlichen Druck von sich aus zwei von drei gegen mich verhängte Sanktionen für ungültig erklärt hat, weiß ich noch nicht, was ich machen werde.

Es sind so viele Fragen offen:
– Die Gründe der Rücknahme sind in den Bescheiden nicht zu sehen …
– War es Fahrlässigkeit des Amtes oder haben me

ine vorgebrachten Gründe überzeugt?
– Gibt es Schadensersatz – zum Beispiel für aufgelaufene Mahngebühren?
– Gibt es Schmerzensgeld für das unrechtmäßig erfahrene Leid?
– Wie will die Behörde überhaupt rechtfertigen, dass 2/3 der Bescheide, selbst nach Maßgabe ihrer durchwegs verfassungswidrigen Gesetze, unrechtmäßig sind? Und dies Angesichts der existenzbedrohenden Schwere und Bedeutung der „Bestrafung“?
– Hat sie mit den Sanktionen bis zu Hunger und Obdachlosigkeit nicht ohnehin ein viel zu scharfes Schwert in der Hand – und ist dazu noch unfähig, es auch nur im Sinne ihrer eigenen Gesetze regelhaft zu führen?
– Wie wird mit mir in der Zukunft verfahren werden?
– Werde ich weiter sanktioniert, weil ich den Verfassungsbruch des Hartz IV-Systems nicht anerkenne? (Arbeitsverweigerung wird man mir ja wohl in keiner Weise irgendwie vorwerfen können …)

Sollte ich in absehbarer Zeit wieder in den Hunger getrieben werden – und die Gründe dafür sind tausendfach gelegt – kann das zu irreparablen Schäden bei mir führen …
Große Entscheidungen brauchen etwas Zeit.
Da bitte ich um noch etwas Geduld
Mit herzlichem Gruß, Ralph Boes
P.s.: Heute habe ich vergessen, mich zu wiegen ..

Sanktionshungern, Tag 23:

23.11.2012. Im Medienrummel bekommt das Jobcenter kalte Füße –
Zwei Sanktionen wegen krasser Formfehler zurückgenommen.
Möglich, dass die Formfehler aus Unerfahrenheit oder Überlastung des JC-Personals entsprangen

. Aber auch möglich, dass sie bewusst hineingearbeitet wurden, um mir den Weg nach Karlsruhe zu verbauen. Sie wären so gleich in der ersten Instanz kassiert worden. Wer will`s entscheiden. Vor meiner Begegnung mit Heinrich Alt bei Maischberger wollte man das aber ausräumen.
– Meine Antwort auf diesen Schritt folgt in Kürze. Ich brenne schon darauf, sie niederzuschreiben. –
Gestern sehr freundliche Begegnung mit Katja Kipping und Ronald Blaschke. Sie hielten die Aktion dem Grunde nach für berechtigt, wenn sie mich aus verständlichen Gründen auch nicht zum Sanktionshungern befeuern wollten. Mit dem Blick auf die nächsten Schritte sagte Katja: „Das kann ja noch spannend werden…“ Zum Ende verabschiedete sie mich mit der Mahnung, bitte auf mich aufzupassen.
Heute kommt die ZEIT zu mir. Dafür nehme ich mir natürlich Zeit, so dass ich heute doppelt so viel Zeit wie sonst zur Verfügung habe 😉
Gewicht heute: 78,8 kg.

Sanktionshungern, Tag 21:

Gestern wieder Arbeit ohne Ende … Das Maischberger-Team war da. Sendung vermutlich am 04.12.
Mein Zustand: Ich muss sehr auf mich achten – aber brenne für die Arbeit.
Heute Kuss- und Betttag 🙂
Wie schön, dass es so was Nettes für uns gibt! 🙂
Gewicht heute: 79,3 kg

Sanktionshungern, Tag 20:

Arbeit ohne Ende … Gestern keine Zeit, zu schreiben. Fluten von Mails und Nachrichten, die kaum mehr zu bewältigen sind. Arbeitstreffen, Interviews, Gespräche mit Anwälten und stürmische Verhandlungen mit den Teams von Anne Will und Maischberger … und letzteres MIR, der ich selbst nicht Fernsehn gucke. (Stöhn)
Die erste Etappe des Sanktionshungerns dürfe sich so dem E

nde zuneigen – ab jetzt wird mehr das Juristische im Vordergrund stehen. Denn ohne die juristische Arbeit hat das Ganze keinen Sinn.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich allerherzlichst für die bisher eingegangenen Spenden bedanken. Auf der Seite wir-sind-boes.de sind sie jetzt einzusehen. 6400 Euro für Anwälte und Aktionen: Danke, Freunde, das macht Mut!
Gewicht heute: 79,6 kg

Sanktionshungern, Tag 18:

Mir geht es gut – die Grundstimmung geht jetzt mehr in Andacht über. Ich habe irgendwo, als ich zu meiner Religion befragt wurde, einmal geschrieben: „Je tiefer Du wirst, desto mehr wird DAS GANZE LEBEN Religion“. Das bis in den äußersten Alltag hinein zu empfinden, das stellt sich jetzt allmählich ein.

Ansonsten erhalte ich jetzt immer mehr besorgte Mails, dass ich mit

dem Hungern aufhören oder zum Arzt gehen solle. … Das werde ich so schnell nicht tun. Nicht äußeren Ratschlägen werde ich folgen, sondern mit meinem tiefsten inneren Gewissen werde ich abstimmen, wie weit ich am Ende gehen werde.Es wird durch die Besorgnisse aber eine weitere Dimension der Sanktionen offenbar: Die 10 Euro Praxisgebühr sind nicht mehr da! Wobei ich in durchaus guter Lage bin: Um wie viel schlimmer steht da, wer eine 100% Sanktion erhält – und dem damit zusätzlich die Krankenkasse entzogen ist.Gewicht heute: 80,8 kg

Sanktionshungern, Tag 17:

Gestern Abend das erste Mal „Freizeit“ in der langen Zeit. Ich wusste nix Gescheites mit mir anzufangen. Da sind Anna und ich dann „Essen gucken“ gegangen …
Scheint gewirkt zu haben:
Gewicht heute immer noch 80,9 kg

Sanktionshungern, Tag 16:

Nach eine wunderschönen Tour durch eine herbstschwere Landschaft bin ich wieder zurück. Zunächst hatte ich Sorge, ob ich den Vortrag in Bremervörde halten könnte und saß erschöpft vor dem Publikum auf der Bühne. Kaum hatte ich aber angefangen, waren alle Kräfte wieder da und ich konnte herumtollen wie eh. 🙂 – Dem Veranstalter gegenüber hatte ich zunächst Bedenken, weil

er eine „Beschäftigungs-Gesellschaft“ für sog. „Arbeitslose“ war. Das von den „Arbeitslosen“ betriebene Möbelhaus, in dem ich sprach (die Gäste durften in dicken Sesseln sitzen!), war aber so schön und liebevoll gemacht (direkt im Raum waren auch gleich eine Fahrradwerkstatt und ein kleiner gastronomischer Betrieb) und die Mitarbeiter dort sprachen so voller Begeisterung von dem Unternehmen, dass ich noch voller Verwunderung bin. Die bestehende schwierige Situation in Liebe zu ergreifen und etwas Wohltuendes und Schönes daraus zu machen – das scheint dort gelungen zu sein.
Gewicht heute: 80,9 kg

Sanktionshungern, Tag 14:

14.11.2012.Auf dem Weg zum Vortrag nach Bremervörde. Jetzt gleich auf dem Bahnhof noch ein Interview mit dem Berliner Kurier. Interview mit Tagesspiegel hat gutes Ergebnis gebracht. Nur der Titel des Artikels („Hungern statt Arbeiten“) ist falsch: „Arbeiten selbst noch beim Hungern/unter strengster Sanktionierung!“ wäre passend gewesen.
Das gestern veröffentlichte Interview mit ND sehe ich heute wesentlich entspannter als gestern. Mein Fehler war, den Journalisten mit Infos zu übersprudeln – und der hatte zum Schreiben nur ein paar Stunden Zeit. Ich muss besser an die Journalisten denken! 🙂 Arbeit ohne Ende! 🙂 Gewicht heute: 81,3 kg.

Sanktionshungern, Tag 12:

Nach kurzer Nacht gut erwacht –
Seit 6:00 Uhr bin ich dabei, die Webseite neu zu strukturieren.
Ich habe jetzt einen Link extra für die Presse eingefügt.
Gestern war wieder ein übervoller Tag. Neben allem bin ich seit längerem sehr in die Sorge um eine schwerst erkrankte Freundin eingebunden…
Während die Fülle der Arbeit zunimmt, nimmt die Fülle des Leibes ab: Um ihn enger schnallen zu können musste ich gestern ein neues Loch in meinen Gürtel stanzen. 😉
Gewicht heute: 81,8 kg.

In Fortsetzung meines Textes vom 06.11.2012

… Nun kann man noch fragen, warum Herr Boes, da er offensichtlich Widerspruch gegen die Sanktionen einlegt, nicht „aufschiebende Wirkung“ beim Sozialgericht beantragt hat.

 

Ich möchte hier die Gründe nennen:

Anders als in der übrigen Welt, in der erst die Rechtsgültigkeit einer Strafe geprüft sein muss, bevor sie verhängt wird, wird die Strafe im Hartz IV-System direkt vollzogen, auch bevor und während die rechtliche Überprüfung erfolgt.

So muss der Hartz-IV-Empfänger seine Rechte also in schon sanktioniertem Zustand, ggf. sogar hungrig und aus der Obdachlosigkeit heraus einklagen. Entschädigt wird er erst, wenn er gewonnen hat – was Jahre dauern kann. Dann allerdings auch nur für das direkt nicht ausgezahlte Geld! Für die mit der Sanktionierung aufgelaufenen Folgekosten, wie Kosten für Stromsperren, Mahn- und Inkassogebühren, usw. tritt das Amt auch dann nicht ein.

Eine weitere Hürde, zu seinem Recht zu kommen, ist für den Hartz-IV-Empfänger dadurch aufgerichtet, dass er erst ab einem – für ihn sehr hohen (!) – Streitwert von 750 Euro klagen darf. Wegen der ungeheuren Fülle der Fehlurteile der Jobcenter und der dementsprechend anschwellenden Klageflut, wurde so eine Hürde zur Klagemöglichkeit eingerichtet, die noch das doppelte des monatl. Grundbedarfs des Hartz-IV-Empfängers übersteigt. Unterhalb eines solchen Betrages darf er nicht klagen! Außerdem muss der Hartz-IV-Empfänger selbst für die Kosten des Prozesses einstehen, während das Amt als Prozessgegner von allen Gerichtskosten befreit ist! Hat der Hartz IV-Empfänger selbst kein Geld, kann er allerdings Prozesskostenhilfe beantragen. Er bekommt sie aber nur, wenn die Beantragungsstelle seine Klage für berechtigt und für erfolgversprechend hält …

Wir haben hier ein weiteres Stück von Herren-Gesetzgebung gegen die Ärmsten der Gesellschaft, welches nicht zu fassen ist. Sie sollen kuschen und nicht klagen.

Gegenüber der Praxis des Jobcenters, die Sanktionen sofort zu vollziehen, noch bevor ihre Rechtmäßigkeit geprüft worden ist, kann das Sozialgericht die Sanktionen aufschieben. D.h. das Sozialgericht zwingt dann das Jobcenter, entgegen seiner Praxis das Geld bis zur endgültigen Klärung der Rechtmäßigkeit der Überprüfung auszuzahlen. [1]

Wir haben in Hartz IV ein menschenrechts- und verfassungswidriges Gesetz, welches durch die Sozialgerichte nur „weichgespült“ wird.

Politisch besehen kann man sich dadurch in Ruhe wiegen: Wenn das Gesetz auch allen Regeln der Verfassung und der Menschlichkeit widerspricht, kann man doch damit beruhigen, dass es „verfassungskonform angewendet“ wird.

In der Wirklichkeit werden die Menschen aber immer mit dem bestehenden Unrechtssystem konfrontiert. Und wer nicht außerordentlich gesund ist und sich wehren kann, geht darin unter.

Aus Solidarität zu den Millionen von Entrechteten in Deutschland – und um auch diese weitere menschenunwürdige und grundrechtswidrige Seite des Hartz-IV-Systemes sichtbar zu machen und abzuschaffen – lehne ich die gegebene Möglichkeit ab, bis zur endgültigen Klärung der rechtlichen Gültigkeit der mich betreffenden Sanktion vor dem Sozialgericht einen Aufschub für die Geldkürzungen zu erbitten.

Berlin, den 11.11.2012

Sanktionshungern, Tag 10:

Gestern langes Interview mit „neues Deutschland“ (der Pressesprecher des JC hat sich dort auch schon angemeldet …), später große Sitzung mit Freunden aus der Hartz-IV-Szene mit Bildung von Aktionskomitees, Abends Besuch einer Gruppe Interessierter aus München – der Tag war übervoll.
Heute fühle ich mich schwach und angreifbar – trotzdem unglaublich viele Pflichten, denen ich einfach nachkommen muss.

Große Überraschung: Der Postbote klingelte – und fragte eine meiner lieben Helferinnen: „Ist das hier der Ralph Boes im Sanktionshungern? Ich würde gerne auch was spenden“. Und er gab einen nicht unbeträchtlichen Betrag für die Anwalts- und Aktionskasse ab. Leider war ich selbst nicht da.
Gewicht heute: 82,7 kg.

Sanktionshungern, Tag 9:

Beste Laune – Arbeit seit 6:00 Uhr – Die Wohnung ist voll mit konzentrierten Helfern – teils liegen sie noch in konzentriertem Schlaf 😉 , teils arbeiten sie schon. Die Stimmung kann besser nicht sein.
Gewicht heute: 83,8 kg. Jetzt gehts abwärts 🙂

Sanktionshungern, Tag 8:

Gestern ging es mir sehr sehr schlecht – weswegen ich mich an die Schöpfungsgeschichte erinnert – und mich um nichts gekümmert und viel geschlafen habe (am 7. Tage sollst Du ruhen). Heute geht es mir wieder wesentlich besser! Und ich bin wieder voller Tatendrang 🙂
Gewicht heute: 84,3 kg
Der Gewichtsverlauf ist ein Geheimnis für mich.
An der Fortsetzung meines Textes vom 5. und 6.11. bin ich am arbeiten.

Sanktionshungern, Tag 7:

Nach unglaublicher Arbeit:
Siebter Tag des Hungerns – HEUTE RUHETAG! 🙂
Gewicht: 83,9 kg

Sanktionshungern, Tag 6:

In Fortsetzung meines Textes von Gestern:

Natürlich kann man jetzt fragen, warum Herr Boes hungert. Es gibt doch viele Möglichkeiten, dem Hunger auszuweichen. Er könnte Essensgutscheine beantragen oder per Gericht

die Sanktionen aufschieben lassen, bis ihre letztendliche Rechtsgültigkeit entschieden ist. Schließlich leben wir hier doch nicht in einer Bananenrepublik und nach Gesetz darf niemand hier verhungern.
Das ist – mit Einschränkungen – vielleicht richtig. Und dennoch macht Herr Boes das nicht. Ich möchte hier die Gründe nennen …
http://www.buergerinitiative-grundeinkommen.de/brandbrief/briefe/2012-11-06.htm

Sanktionshungern, Tag 5:

Gewicht 84,4 kg.

300 gr. höher als Gestern …

Lichtnahrung? Na, das wäre ja ein Ding 🙂
– Um möglichen falschen Vorstellungen entgegen zu wirken: Ich scheine das Hungern ja recht leicht zu nehmen. Es fällt mir – erstaunlicherweise und ganz gegen meine eigenen ängstlichen Erwartungen – [zur Zeit] auch [noch] nicht schwer. Es liegt dahinter allerdings ein unbedingter Wi

lle, der mich überhaupt erst in die bestehende Situation gebracht hat und mich die Hürden vergleichsweise leicht nehmen lässt. Ganz anders muss sich das Hungern anfühlen, wenn es einem einseitig von außen aufgezwungen ist und man sich nach Essen sehnt. Die Hunger-, Gier-, Wut-, und Verzweiflungsattacken, die ich als in meinem Leib auftauchend beschrieben habe und von denen ich mich kraft meines Willens distanziere, ergreifen ihn dann ganz. Wenn dann hinzukommt, dass er sich durch die amtliche Behandlung entwürdigt fühlt und durch die fehlenden Geldmittel aus der Gesellschaft ausgegrenzt ist – ist das eine Erniedrigung ohne gleichen und eine echte menschliche Katastrophe!
Nahrungsentzug ist selbst im Gefängnis verboten, weil es eine echte Foltermethode ist.

Sanktionshungern, Tag 4:

Heute früh in meinem Blog:

ECHTE HILFE:
Gibst du einem Bedürftigen einen Fisch, machst du ihn für einen Tag satt; zeigst du ihm, wie man angelt, ist er für sein Leben satt.

Gib Hilfebedürftigen kleine Hilfestellungen oder Denkanstöße, aber vermeide es, sie in die Unselbstständigkeit zu führen oder ihnen ihre Aufgaben abzunehmen

Ein schöner Einspruch gegen unser Wirken!

Meine Antwort:

Das ist richtig, WO ES PASST!
HIER passt es aber NICHT!
In UNSERER Welt sind die „Hilfbedürftigen“ nicht „Hilfbedürftige“, Kranke, Schwache, sondern gesunde FREIGESTELLTE! Sie sind durch die allgemeinen Rationalisierungsmaßnahmen, durch die Maschinenarbeit protegierenden Steuergesetze usw. aus der Arbeit FREIGESTELLT. Sie werden aber durch die Hartz-IV-Maßnahmen genau in den Arbeitsmarkt, der sie entlassen hat, zurückgepresst. Da sollen sie dann Sklavendienste leisten.
Der wahre Hilfsbedürftige heute ist der Staat. Man muss ihm zeigen, wie er die Menschenwürde wieder schützen und mit dem Problem der Rationalisierung positiv zurecht kommen kann.

Ansonsten geht es mir weiter gut. Gestern waren zwar einige extreme Hunger-, Gier- und Zornattacken aus meinem Körper auszuhalten, aber ich habe sie gut durchgestanden. Nur der Hungernde kann ermessen, wie lecker eine Pizza in der Phantasie aussieht und schmeckt.

Gewicht heute: 84,1 kg

Sanktionshungern, Tag 3:

Leichtes fröhliches Erwachen nach kurzem Schlaf. Viele gute Gedanken. Konzentriertes geistiges Arbeiten und schöne Gespräche mit einem Freund, der hier zur Krisenintervention (falls nötig) mit übernachtet hat. Auch gestern war es fast durchgehend gut. Es gab zwar Anfälle von Heißhunger: Als irgendwo ein Wort über speckig Kleidung fiel, sah ich plötzlich mit gieriger Seele

zischenden Speck in der Pfanne bruzzeln. Da ich nichts verlange, schaue ich dem aber nur amüsiert zu. Abends gab`s allerdings `ne heftige Krise: Plötzlich wurde ich schwach und fühlte mich am Tod. In meinem Körper tauchten unglaublicher Zorn und Verzweiflung auf. Ich sprach lieb mit ihnen und die Stimmung wandelte sich in Demut. Ich glaube, mein Körper hat jetzt die Lage begriffen. In der entstandenen Demut konnte ich ein lange vor mir hergeschobenes Projekt in Angriff nehmen.
Gewicht heute: 84,4 kg.

Sanktionshungern, Tag 2:

Gutes Erwachen nach kurzem Schlaf. Leichter Kopfschmerz.
Gewicht: 85,5 kg
Erstaunen, dass es gestern so fast ohne Schwierigkeiten ging. Wegen des vielen Trinkens: Kein Ruf des Hungers. In Körper und Seele ist eine gewisse Stille eingetreten. Ich konnte sogar D. zum Essen zum Chinesen begleiten. Auf mein klitzekleines Betteln: „Kann ich wenigstens ’ne Cola trinken?“ kam kühl die Antwort: „Ralph, du hast kein Geld!“
Bei solchen Freunden braucht man keine Feinde mehr 🙂
Danke D., Du bist super! 🙂 🙂 🙂

Erster Tag des Sanktionshungerns:

01.11.2012.Zustand: gute Laune. Etwas Panik vor all der Arbeit, die jetzt dräut. Erinnerung an die gespenstischen Empfindungen, als ich letzten Samstag „das letzte Mal“ beim Aldi einkaufen war. „Das letzte Mal“ hat immer etwas eigentümliches. So voller Sehnsucht, Wehmut – plötzlich war selbst der Aldi für mich schön und „Heimat“ und ganz „nah“!Heute ist aber „d

as erste Mal“ 🙂
Beim Ausleeren des Kühlschrankes und der Küchenschränke ein großes Lächeln – dasselbe habe ich letztens, nach dem Tod meiner Eltern, auch in deren Haushalt schon gemacht. (Falls jemand hier für mein Lächeln kein Verständnis hat: Ich habe meine Eltern sehr geliebt – aber Sterben ist in einem gewissen Alter auch gesund.)
Reinigung, Klärung, alles neu ergreifen ist jetzt mein Sinn.
Gewicht: 86,5 kg.
Auf meinem Schreibtisch ganz ungesund ein ganz dünn gekochter schwacher Kaffee. 🙂 (Ralph Boes)