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Geheimakte Gauck – der Pfarrer und die Stasi

3. September 2013 • 16:37 – Elsässers-Blog – COMPACT-Talk mit dem Buchautor Klaus Blessing

Das Video zu unserem Artikel: In COMPACT 8/2013 veröffentlichten wir als erstes deutsches Medium neue Dokumente zum Thema “Gauck und Staatssicherheit”. Auszug aus dem Artikel “Geheimakte Gauck”:

(COMPACT-Auszug Anfang)

Schwer wiegt auch das Protokoll, das Stasi-Hauptmann Terpe (Vorname unbekannt) über ein Gespräch mit Gauck am 11. August 1988 erstellt hat. Wie oben zitiert, behauptet Gauck, dass sich für ihn „ein Kontakt zur Stasi nur legitimieren ließ, wenn  es um die Klärung konkreter Fragen etwa nach Verhaftungen ging“. Im Gespräch mit Terpe ging es aber nicht um konkrete Fragen, sondern um sehr Grundsätzliches. Auszüge:
„Gauck äußerte, dass er ihm bekannte Übersiedlungsersuchende durch mehrmalige Gespräche beeinflussen will, in der DDR zu bleiben.“
„Gauck wurde seitens des MfS gedankt für seine Initiativen für seine langfristige gute Zusammenarbeit mit den entsprechenden staatlichen Stellen in Vorbereitung und Durchführung des Kirchentages.“
„Gauck glaubt aber auch, dass das MfS einen echten positiven Beitrag zur Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft einbringen wird.“

“Gauck wurde mitgeteilt, dass der beantragten Einreise seiner in die BRD übergesiedelten Kinder zugestimmt wird.“

Eine ähnliche Darstellung findet sich in der eidesstattlichen Erklärung Manfred Manteuffels, die in dem von ihm und Blessing verfassten Buch ebenfalls erstmals dokumentiert ist. Von den darin behaupteten Stasi-Vergünstigungen Gaucks zieht die ostdeutsche Autorin Daniela Dahn einen Vergleich zu den geldwerten Vorteilen, wegen derer Gaucks Vorgänger Christian Wulff als Bundespräsident zurücktreten musste: „Sollte das stimmen, würde das schwerer wiegen als die Übernachtungen bei Filmproduzenten [Wulff bei Maschmeyer].“
Blessing und Manteuffel resümieren: „Warum ist Herr Gauck nicht in der Lage, sich offen und ehrlich zu seiner Biografie zu bekennen? Wo liegt das Problem, zu sagen: Ja, auch ich habe Kontakte zum MfS gehabt und im Sinne der Kirche und auch zum eigenen Vorteil genutzt? Es würde ihn menschlich verständlicher  machen. (…) Gauck kann nichts zugeben, es würde seine Lebensphilosophie zerstören. Es würde es ihm unmöglich machen, gnadenlos und unnachsichtig mit der DDR abzurechnen, um seine Karriere im jetzigen System abzusichern. Er könnte seine Rachefeldzüge gegen Menschen, die weniger als er mit den Sicherheitsorganen zu tun hatten, nicht weiterführen.“ (COMPACT-Auszug Ende)

Den vollständigen Artikel in der Printausgabe COMPACT 8/2013 lesen. Hier kann man die Ausgabe bestellen.

* Das erwähnte Buch von Klaus Blessing und Manfred Manteuffel “Joachim Gauck. Der richtige Mann?” ist in der Edition Berolina erschienen (192 Seiten, 9,99 Euro). Am 10. September wird das Buch im Gebäude des Neuen Deutschland, Berlin, Franz Mehring Platz 1, von den Autoren vorgestellt. Beginn 18 Uhr).

Geheimakte Gauck

Geheimakte Gauck

Online-Autor Am 19. August 2013 – https://www.compact-magazin.com/

Der Bundespräsident rückte den CIA-Dissidenten Snowden in die Nähe des Verrats. Litt er nicht in der DDR selbst unter der Staatssicherheit? Wohl kaum, zeigen neue Dokumente. Von Karel Meissner

Die Sonne strahlte, die Medien balzten, die Kanzlerin lächelte und küsste. Eine gute Woche, nachdem Edward Snowden ausgepackt hatte, kam US-Präsident Barack Obama am 19. Juni zum Staatsbesuch nach Berlin. Wer wird denn wegen des millionenfachen Bruchs des deutschen Fernmeldegeheimnisses durch Uncle Sam böse sein?

Am meisten übermannte die Liebe zum Großen Bruder den Bundespräsidenten. Als The Star Sprangled Banner ertönte, war es um ihn geschehen: «Und genau in diesem Moment sah man, dass Barack Obama und Joachim Gauck so vieles verbindet. Obama schloss bei der US-Hymne die Augen, legte die Hand aufs Herz, genoss den Moment. Und auch Gauck war sichtlich berührt, ein paar Tränen schossen ihm in die Augen, er musste sie runterschlucken, senkte den Kopf. Von Anfang an war klar: Die “Chemie” zwischen den beiden stimmt. Er, der US-Präsident, der immer wieder die Freiheit der Menschen ins Ziel nimmt. Er, der Bundespräsident, aufgewachsen und gefangen in der DDR», berichtete die Bild-Zeitung gefühlig.

Ende Juni gab der Bundespräsident dann dem ZDF ein längeres Interview, unter anderem zur NSA-Affäre. Gewohnt pastoral drückte sich Gauck um eine definitive Aussage herum. Auf Snowden angesprochen, bat er – nach zwei Wochen ausufernder Berichterstattung! – um «noch mehr Informationen» und psalmodierte «Sympathie (…), wenn eine Regierung dabei ist, das Recht zu beugen» und es einen gebe, «der sich aufgerufen fühlt, diese Rechtsbeugung öffentlich zu machen». «Für puren Verrat» indes, so die Keule im Anschluss, «habe ich kein Verständnis». «Verrat» – wenn es um die Aufdeckung von Geheimdienstbespitzelung geht? Kann so einer formulieren, der selbst «gefangen in der DDR» (Bild) gewesen war und damals als «Bürgerrechtler» gegen die Schlapphüte gekämpft hat?

Aber vielleicht war es mit Gaucks Anti-Stasi-Engagement doch nicht so weit her. Dies legen Dokumente nahe, die Klaus Blessing und Manfred Manteuffel in dem gerade erschienenen Buch Joachim Gauck – Der richtige Mann? vorgelegt haben. Blessing war Staatssekretär im DDR-Wirtschaftsministerium, da könnten Kritiker unken, es gehe um eine politische Abrechnung mit SED-Gegnern. Doch die Autoren haben solide gearbeitet und ihre Aussagen profund mit Quellen belegt. Vor allem aber: Manteuffel war von 1984 bis 1990 Referent für Kirchenfragen beim Rat der Stadt Rostock – und damit in ständiger Tuchfühlung mit Gauck, der zur selben Zeit in der Hansestadt Pfarrer war.

Das Autorenduo erinnert daran, dass auch die bundesdeutschen Eliten kurz nach der Wiedervereinigung nicht so ungeteilt auf die Integrität des ostdeutschen Gottesmannes vertrauten, wie es heute der Fall scheint. Spektakulär war etwa eine kritische Dokumentation über das Wirken von Gauck als Beauftragter für die Stasi-Unterlagen, die das ZDF unter der Moderation von Bodo H. Hauser am 17. April 1991 sendete. Der Spiegel und Kennzeichen D warfen nach der Sendung die Frage auf, ob Gauck als Leiter der Behörde nach diesen Enthüllungen noch tragbar sei. Kein Wunder: Gauck hatte bei der Aufnahme des Interviews Wirkung gezeigt. Es musste zweimal abgedreht werden, da die erste Fassung nicht sendefähig war und gelöscht werden musste. Der Grund: Gauck war ausgerastet und hatte dem Interviewer angedroht: «Für Ihre Fragestellungen möchte ich Ihnen am liebsten eine knallen.»

Der vorliegende Text ist nur ein Auszug des Originalartikels. Er findet sich in COMPACT 8/2013. Hier kann man die Ausgabe nachbestellen.