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Der Weltenbaum der Sumerer, Heilige Baum von Eridu

Lebensbaum-2Am Anfang der Zeit wächst auf der Erde ein Baum, während die Welt schon, wie in der archaischen Mythologie üblich, in die drei Ebenen Himmel, Erde und Unterwelt eingeteilt wurde. Die sakrale Ordnung steht vor der Erschaffung. Der am Euphrat wachsende Baum steht kurz vor der Entwurzelung. Inanna rettet den Baum und pflanzt ihn in ihren eigenen Garten. Dieser Akt symbolisiert die erste kulturschaffende Ordnung. Der Baum wird zur Wohnung; im Wipfel wohnt der göttliche Himmelsvogel, im Stamm die Göttin Lilith und in den Wurzeln die Schlange als Symbol für die Unterwelt.

Der Weltenbaum beispielsweise gehört zur Mythologie vieler Völker und ist ein altes Symbol der kosmischen Ordnung. Seine Wurzeln reichen bis tief in die Erde, und seine Wipfel tragen den Himmel. Meist bevölkern mythische Tiere den Weltenb aum. – Auf der germanischen Weltesche Yggdrasil jedenfalls sass ein Adler, der zwischen seinen Augen einen Habicht beherbergte. Zudem beschrieb man Yggdrasil als den grössten und prächtigsten Baum, dessen Zweige die neun Welten überschatteten und auch über den Himmel wuchsen. Weltenbäume waren allerdings auch schön. Denn der Heilige Baum von Eridu, wie die Sumerer ihren Weltenbaum nannten, glänzte schimmernd wie Lapislazuli und beherbergte die Sonne in seiner Krone. Und der lettische Austraskoks hatte gar silberne Blätter, kupferne Wurzeln und goldene Zweige. Seine Wurzeln symbolisierten die Unterwelt, der Stamm stand für die Mittelwelt (oder das irdische Dasein) und die Blätter symbolisierten den Himmel, zu dem alles strebt. Dieser legendäre Baum soll übrigens vom Punkt des Sonnenaufgangs entlang dem Himmelszelt bis zum Punkt des Sonnenuntergangs gewachsen sein.