Tag-Archiv | staatlich organisierte Kriminalität?

Zeugensterben im NSU-Prozess – Corelli der 7. tot aufgefundene Zeuge

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V-Mann Corelli tot aufgefunden. Der siebte Zeuge ist damit tot… COMPACT lässt sich nicht einschüchtern und recherchiert weiterl!

Er war vielleicht der wichtigste V-Mann im NSU-Komplott: “Corelli” finanzierte mit seinem V-Mann-Salär in Höhe von 180.000 Euro den Aufbau des KuKluxKlans in der Gegend von Schwäbisch Hall – aus diesem Sumpf führen Spuren zum Kiesewetter-Mord. Und er finanzierte ein Nazi-Untergrundblättchen, in dem 2001/2002 zum ersten Mal der Begriff NSU auftaucht. Corelli lebte mit verdeckter Identität. Letzte Woche wurde er tot aufgefunden. Angeblich Diabetis… Mit 39 Jahren an Diabetis sterben? Interessant: Nach Medienberichten soll Corelli zunächst über den MI5/MI6 in Großbritannien versteckt worden sein.

Der plötzliche Tod dieses wichtigen Zeugen ist nicht der erste. “Abgefackelt, aufgehängt, ausgelöscht – NSU: Das große Zeugensterben” war schon die Aufmachergeschichte in der Januar-Ausgabe von COMPACT. Darin führten wir insgesamt sechs seltsame Todesfälle auf: Weiterlesen

Unbehelligte NSU-Terroristen – Report Mainz

Veröffentlicht am 11.12.2013

2003 erreicht ein sehr konkreter Zeugenhinweis das Thüringer Landeskriminalamt. Ein alter Bekannter von Uwe Böhnhardt gab an, diesen vor einiger Zeit an einer Ampel in Jena gesehen zu haben. Doch danach geschah — nichts. In den NSU-Akten findet sich keinerlei Hinweis auf weitere Ermittlungen. Das gab auch dem NSU-Untersuchungsausschuss im Bundestag Rätsel auf. Ein weiterer Punkt auf der langen Liste von Pleiten, Pech und Pannen? Weiterlesen

Piatto – Der Staatsterrorist – COMPACT Talk mit Nick Greger

04.12.2013„Verschwendete Jahre“ lautet der Titel des Buches von Nick Greger. Vor ca. 10 Jahren stieg er aus der Neonazi-Szene aus. Was er aus seiner Zeit als aktives Mitglied einer später als „rechtsterroritische“ bezeichneten Vereinigung zu berichten hat, erfahren Sie in COMPACT Talk.
Chefredakteur Jürgen Elsässer im Gespräch mit Nick Greger über Piatto – den Terroristen im Auftrag des Staates – ein V-Mann beim NSU.

Kiesewetter-Mord: V-Frau widerspricht NSU-Beteiligung

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http://juergenelsaesser.wordpress.com/ – Aus der aktuellen Ausgabe COMPACT 8/2013.

Stauffenbergs Erzählungen

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter wird immer rätselhafter: Eine V-Frau behauptet, dass die Täter nicht vom NSU kamen, sondern von der NPD. Ihr Freund wollte angeblich eine Söldnertruppe für Afrika zusammenstellen.

Von Kai Voss (aus: COMPACT 8/2013)

Bei „Stauffenberg“ muss jeder sofort an den adligen Offizier denken, der, seinem Gewissen folgend, seinen Treueschwur brach und am 20. Juli 1944 einen Anschlag auf Adolf Hitler verübte. Vielleicht sah sich auch der Spitzel Torsten Ogertschnik in dieser Lage, als er 2003 den Nationalsozialistischen Untergrund entdeckt haben wollte.

Im Sommer 2003 wandte sich dieser Ogertschnik jedenfalls als „Stauffenberg“ an einen protestantischen Geistlichen aus dem Raum Heilbronn, der für ihn Kontakt zum Geheimdienst herstellen sollte. Günter Stengel, Mitarbeiter des Landesamtes für Verfassungsschutz im Ländle, reiste zu dem merkwürdigen Informanten und befragte ihn. Als im November 2011 die Namen zweier toter Bankräuber in Eisenach bekannt wurden, erinnerte er sich daran, dass er den einen schon 2003 von Ogertschnik alias „Stauffenberg“ gehört hatte: Uwe Mundlos. Der war ihm im Gedächtnis geblieben, weil er mit seinem Informanten Scherze darüber gemacht hatte, wie bezeichnend der Name doch sei. Auch das Kürzel NSU habe er sich damals gemerkt, weil er nachfragte, ob seinem Gegenüber bewusst sei, dass dies Buchstabenkombination auch für das nahegelegene Neckarsulm stehe.

Hatte Ogertschnik also bereits sehr früh einen sehr konkreten Hinweis auf den NSU und Mundlos an die Behörden gegeben? Seltsam ist, dass er selbst, als er im November 2011 von der Polizei befragt wurde, die Angaben des Verfassungsschützers bestritt. Er habe weder Kontakte in die rechte Szene gehabt, noch sage ihm der Name Mundlos etwas. Noch seltsamer: Ogertschnik hatte, bevor er als „Stauffenberg“ firmierte, bereits unter dem Decknamen „Erbse“ gearbeitet – und zwar just für den schwäbischen Verfassungsschutz. Das wiederum wollte Verfassungsschützer Stengel nicht gewusst haben… Um die Verwirrung komplett zu machen, behauptet mittlerweile ein Insider, nicht Ogertschnik sei die Person hinter „Stauffenberg“ und „Erbse“, sondern ein gewisser Marcus Alexander Bischoff. Alle diese Punkte machen es zweifelhaft, dass tatsächlich schon in besagtem Gespräch im Jahr 2003 der Hinweis auf den NSU und Mundlos gefallen ist. Oder wird nur Verwirrung gestiftet, um es zweifelhaft erscheinen zu lassen?

Noch toller sind die Angaben, die eine andere V-Frau aus dem Schwabenland macht. Nach dem angeblichen Doppelselbstmord der beiden NSU-Uwes im November 2011 schickten diese Petra Senghaas, Deckname „Krokus“, und ihr Lebensgefährte Alexander Gronbach E-Mails an verschiedene Behörden, um Informationen zum NSU und dem Heilbronner Polizistenmord an Michèle Kiesewetter weiterzugeben. Die Behörden wiegelten in der üblichen vertuschenden Manier ab. Daraufhin schrieben die zwei Tippgeber etliche Abgeordnete an, die erstaunt waren über den Detailreichtum der empfangenen Geschichte. Schnell war klar: Das sind keine Spinner, sondern Leute mit vielen Kenntnissen aus dem und über den Verfassungsschutz.

Frau Senghaas war als Informantin angeworben worden, weil sie gute Kontakte in die rechte Szene hatte, obwohl sie selbst nicht dazugehörte. Eine Freundin von ihr war mit einem rechtsextremen Funktionär liiert, außerdem schöpfte sie ihre Friseurin Nelly R. aus Schwäbisch Hall ab, die bei den Landtagswahlen 2011 für die NPD antrat. Der Spiegel berichtet aus einem vertraulichen Papier: „Dem Grunde nach handelt es sich bei Informant ‘Krokus’ um die ‘geborene Quelle’. Sie ist zuverlässig, verschwiegen und überaus einsatzwillig (…).” Von 2007 bis 2011 sei die Zusammenarbeit immer besser geworden, „Krokus“ bekam die zweithöchste Glaubwürdigkeitsstufe des Amtes.

„Krokus“ berichtet über den Heilbronner Polizistenmord, dass nicht das NSU-Trio, sondern Neonazis aus dem Landkreis Schwäbisch Hall darin verwickelt seien. Gegenüber dem Haller Tagblatt identifizierte sie NPD-Funktionäre und Privatpersonen. Die Zeitung hat deren Konterfeis mit Phantombildern abgeglichen, die nach dem Heilbronner Polizistenmord aufgrund von Zeugenaussagen erstellt wurden, und eine gewisse Ähnlichkeit festgestellt. Wem diese Phantombilder jedenfalls keinesfalls ähneln, sind Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. „Die Redaktion konnte in die geheimen Ermittlungsakten zum Polizistenmord blicken: Die Zeugen berichten von bis zu sechs Tätern (…). Kurios: Es sind Aussagen und Phantombilder abgedruckt, die vom Polizisten Martin A. stammen [Kiesewetters Kollegen, der bei der Schießerei schwer verletzt wurde] – obwohl von den Behörden kommuniziert wird, er könne sich nicht an die Tat erinnern.“

Über ihre NPD-Friseurin wollte „Krokus“ auch erfahren haben, dass Rechtsextreme mit Hilfe einer Krankenschwester herauszufinden versuchten, ob sich der schwer verletzte Martin A. an irgendetwas im Zusammenhang mit der Ermordung Kiesewetters erinnern würde. Wenn dies der Fall sei, müsse „etwas unternommen“ werden. „Krokus“ meldete dies ihrem V-Mann-Führer mit dem Alias „Rainer Öttinger“ und nannte konkrete  Namen. „Öttinger“ soll ihr daraufhin gesagt haben, sie müsse sich aus der Sache heraushalten. Derselbe „Öttinger“ soll auch 2003 die Information seines Kollegen Stengel über die Aussage von „Stauffenberg“ zum NSU unterdrückt haben…

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Neben „Öttinger“ ist aber auch Gronbach eine dubiose Figur. Wie linke Medien melden, hat Gronbach früher versucht, Söldner für einen Einsatz im afrikanischen Ghana zu rekutieren. Laut Neues Deutschland steckte er überdies selbst früher in der rechten Szene, bevor er 2010 mit Senghaas zusammenkam. Sucht man nach Gronbach in den Weiten des Internets, findet man tatsächlich eine Forumsanfrage, in der ein Alexander Gronbach aus Langenburg – in der Nähe von Heilbronn und zufällig auch der Heimatort von Senghaas – versucht, eine Mannschaft militärerfahrener Männer zusammenzustellen. Nun wird es interessant: Jemand aus dem Forum beschreibt einen nächtlichen Chat mit Gronbach. Er sei Fernspäher gewesen, möge keine „Bimbos“, kenne Joschka Fischer seit seiner Kindheit – und sein Auftrag für einen Einsatz in Ghana komme von der Bundesregierung. Und dieser Haudegen ist mit einer Frau zusammen, die auf NPD-Hintergründe des Mord an der Polizistin Kiesewetter aufmerksam macht und von den Behörden selbst ausgebremst wurde?

Mehr und mehr bekommt man den Eindruck, dass sich bei der NSU-Affäre, beziehungsweise ihrer Untersuchung, verschiedene Seilschaften innerhalb der Geheimdienste an die Gurgel gehen: „Stauffenberg“ gegen Stengel, Stengel  gegen „Öttinger“, „Öttinger“ gegen „Krokus“, Grombach gegen „Öttinger“. Aus dem Interview mit dem Thüringer Verfassungsschutz-Chef Helmut Roewer (in COMPACT 6/2013) wissen wir, dass auch zwischen Jena, Chemnitz und Zwickau ein Grabenkrieg zwischen Polizeiermittlern und Schlapphüten tobte, beide werfen sich die Deckung des untergetauchten NSU-Trios vor.

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Jetzt den Artikel vollständig lesen in der Printausgabe COMPACT 8/2013.

COMPACT berichtet in jeder Ausgabe seit Jahresbeginn über Neuigkeiten und Widersprüche des NSU-Verfahrens und wird das auch weiter tun. Am besten abonnieren!
* Kai Voss, Behördenmitarbeiter in Dresden, hat das Sonderheft COMPACT-Spezial Operation „Nationalsozialistischer Untergrund – Neonazis, V-;Männer und Agenten verfasst (84 Seiten, 8,80 Euro, erhältlich unter shop.compact-magazin.com).

Zschäpe weiter entlastet

EndCoverMünchner Prozess mit Eigentoren der Anklage. Jürgen Elsässer spricht auf Veranstaltung in Eisenach

Der Münchner Prozess gegen Beate Zschäpe und andere ist gekennzeichnet von Eigentoren der Anklagevertreter. Gestern die Aussage einer Augenzeugin vom Mord an Habil Kilic in München 2001, die zwei Fahrradfahrer gesehen haben will. Mundlos und Böhnhardt im Auftrag von “Diddl-Maus” Zschäpe? Spiegel-online berichtet:

(Zitat Spiegel Anfang) Das entspricht dem wohl typischen Verhalten von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bei anderen Verbrechen: mit Fahrrädern zum Tatort, töten oder rauben, wegfahren. Doch die Fahndungsfotos der mutmaßlichen Rechtsterroristen und die Bilder, die Anna S. von den beiden Männern vor ihrem Fenster abgespeichert hat, sind nicht miteinander vereinbar. “Gerade der mit den abstehenden Ohren, das wäre mir hundertprozentig aufgefallen”, beteuert Anna S. Sie sei gelernte Schneiderin und sehe, “was passt und was nicht”. Vielmehr habe sie die Männer für Osteuropäer gehalten, betont sie mehrfach. Woran sie das erkannt haben wolle, will der Nebenklage-Vertreter Yavuz Narin wissen. Sie sei Objektleiterin gewesen in einer Reinigungsfirma, in der viele Osteuropäer gearbeitet hätten. Sie kenne “die”. Die Männer vor ihrem Fenster damals seien “keine Deutschen, keine Österreicher gewesen. Die waren ein anderer Schlag.” (Zitat Spiegel Ende)

Zum Weiterlesen:

Der NSU-Mummenschanz – Das Märchen vom braunen Terror

20. July 2013 – http://www.politaia.org/ – Danke hawe für den Link.

nsu 38320328 Der NSU Mummenschanz   Das Märchen vom braunen TerrorJürgen Elsässer im Gespräch mit Michael Vogt über das nützliche Phantom einer „braunen Armeefraktion“ und die Instrumentalisierung deutscher Zeitgeschichte.

Zuerst war die Rede von „Döner-Morden“, dann vom „Nationalsozialistischen Untergrund“. Beide Begriffe verharmlosen. Reden wir Klartext: Zehn Menschen wurden kaltblütig hingerichtet. Es war die grausigste Mordserie in Deutschland nach 1945. Und trotzdem konzentriert sich die Strafverfolgung auf eine kleine Gruppe Rechtsradikaler – und spielt die Rolle von Agenten herunter.

Doch während man bei früheren Morden – John F. Kennedy, Siegfried Buback, Uwe Barschel – sowie beim 11. September 2001 den geheimdienstlichen Hintergrund nur mit einigem Aufwand aufdecken konnte, liegt er im aktuellen Falle offen zu Tage: Man hat in der Zwickauer Wohnung des Neonazi-Trios „echte falsche“ Alias-Papiere gefunden, die nur von Behörden ausgestellt werden können; der hessische Verfassungsschützer Andreas Temme („Klein Adolf“) war mindestens bei einem Mord zur Tatzeit am Tatort und in fünf weiteren in Tatortnähe; schließlich liegt ein Beobachtungsprotokoll des US-Geheimdienstes DIA vor, wonach sich mindestens ein Verfassungsschutzmann bei der Schießerei aufhielt, der 2007 in Heilbronn eine Polizistin zum Opfer fiel.

Daß die Tatversion der Behörden nicht stimmt, ist offensichtlich: Die „magische Ceska“ der „Döner-Morde“ wird dereinst in den Geschichtsbüchern eine ähnliche Rolle spielen wie die „magische Kugel“ beim Attentat auf JFK; die Bekennervideos, die unzerstört in den Brandruinen des Zwickauer NSU-Unterschlupfes gefunden worden sein sollen, erinnern an den unentflammbaren Reisepaß eines der angeblichen 9/11-Hijacker in den geschmolzenen Fundamenten der Twin Towers. Und der Doppelselbstmord von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos ist schon jetzt genauso unwahrscheinlich wie der Freitod von Jürgen Möllemann……

http://www.alpenparlament.tv/video/nsu-das-marchen-vom-braunen-terror/