Wie Tron er-selbst-mordet wurde

us imperialismus004Whistleblower sterben einsam. Ein Beispiel aus Deutschland…

Elsässers Blogvon Jan Gaspard – aus: COMPACT 10/2013

Im Oktober 1998 wurde der talentierteste deutsche Hacker Tron erhängt in einem Berliner Park aufgefunden. Er war für Geheimdienste und Großkonzerne zur Gefahr geworden – und damit war nicht der einzige.

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„Ein Mitglied des Chaos Computer Clubs (CCC), bekannt unter dem Namen Tron, ist gewaltsam zu Tode gekommen. Die Polizei spricht von mutmaßlichem Selbstmord. Wir können uns das nicht vorstellen“, hieß es in einer Mitteilung des CC Ende Oktober 1998. „Knackte er einen Code zuviel…?“, fragte damals auch Bild.

Tron, eigentlich Boris Floricic, war trotz seiner Jugend – er starb mit gerade 26 Jahren! – das Wunderkind der deutschen Hacker-Szene. Er hatte eine „Wunderkarte“ produziert, eine falsche Telefonkarte, die sich selbständig wieder aufladen konnte. Meiner Meinung nach war zum Beispiel auch der Zusammenbruch des Medien-Imperiums von Leo Kirch (Sat1, Pro7) eigentlich Tron zu verdanken: Er entschlüsselte noch kurz vor seinem Tod die Codierung der Pay-TV-Schlüssel von Premiere, nur um zu zeigen, wie schlecht das alles gesichert war. Irgendwer stellte Trons Hack damals ins Internet (ohne sein Wissen), was man anhand einer versteckten “Signatur” von Tron im Programm-Code seiner Arbeit nachvollziehen konnte. Wenig später stieg Bertelsmann bei Premiere aus – vermutlich, weil Tron bewiesen hatte, dass diese Verschlüsselungen für Pay-TV niemals sicher sein würden, was das Risiko von Investitionen in diesem Bereich damals ins Unermessliche steigerte), Kirch ging daraufhin langsam das Geld aus und musste seinen Konzern verkaufen. – Zum Weiterlesen –